Ist Stahl magnetisch? Welche Stähle sind nicht magnetisch?
Die große Mehrheit der Stähle ist magnetisch — aber nicht alle. Entscheidend ist nicht die Legierung, sondern das Kristallgitter: Ferrit/Martensit ja, Austenit nein. Warum 1.4301/1.4404 nicht anziehen und wo der Magnettest an seine Grenzen stößt.
Kurze Antwort: Ja — die große Mehrheit der Stähle ist magnetisch
Kohlenstoffstähle, legierte Stähle und Werkzeugstähle ziehen einen Magneten an. Die eine große Ausnahme sind austenitische Edelstähle (wie 1.4301/304 und 1.4404/316) — sie sind im geglühten Zustand nicht magnetisch. Die richtige Antwort auf „Ist Stahl magnetisch?" lautet also: Es hängt vom Kristallgitter ab. Nicht der Eisengehalt entscheidet, sondern die Anordnung der Atome.
Warum magnetisch? Der Ursprung des Ferromagnetismus
Reines Eisen ist ferromagnetisch: Die magnetischen Momente seiner Atome richten sich bereichsweise parallel aus und reagieren stark auf einen äußeren Magneten. Stahl übernimmt diese Eigenschaft des Eisens, solange das Kristallgitter erhalten bleibt:
- Ferrit (krz — kubisch raumzentriert): ferromagnetisch ✅ — die Hauptphase der Kohlenstoffstähle bei Raumtemperatur
- Martensit (trz): ferromagnetisch ✅ — die Phase gehärteter/vergüteter Stähle
- Austenit (kfz — kubisch flächenzentriert): NICHT magnetisch ❌ — die Atomanordnung verhindert die Ausrichtung der Momente
Gewöhnlicher Kohlenstoffstahl besteht bei Raumtemperatur aus Ferrit + Perlit → er zieht den Magneten an. Vom Baustahl S235JR bis zum Vergütungsstahl C45 gehören alle von uns bevorrateten Güten zu dieser Gruppe.
Welcher Stahl ist magnetisch, welcher nicht? (Tabelle)
| Stahltyp | Beispiel | Gefüge | Magnetisch? |
|---|---|---|---|
| Kohlenstoffstahl | S235JR, C45 | Ferrit + Perlit | ✅ Ja, stark |
| Legierter Vergütungsstahl | 42CrMo4, 34CrNiMo6 | Angelassener Martensit | ✅ Ja, stark |
| Automatenstahl | 11SMn30 | Ferrit + Perlit | ✅ Ja |
| Ferritischer Edelstahl | 1.4016 (430) | Ferrit | ✅ Ja |
| Martensitischer Edelstahl | 1.4021 (420) | Martensit | ✅ Ja |
| Duplex-Edelstahl | 1.4462 (2205) | Ferrit + Austenit | ✅ Ja (teilweise) |
| Austenitischer Edelstahl | 1.4301 (304), 1.4404 (316L) | Austenit | ❌ Nein (geglüht) |
Wie man sieht, ist der Satz „Edelstahl ist nicht magnetisch" falsch — nur die austenitische Familie der Edelstähle ist es nicht. Ferritische und martensitische Edelstähle sind durchaus magnetisch. Zu welcher Familie eine Güte gehört, lesen Sie aus der Zusammensetzung mit unserem Werkzeug für chemische Zusammensetzung ab; Werkstoffnummern und Cross-Standard-Entsprechungen finden Sie im Güten-Äquivalenz-Werkzeug.
Warum zieht 1.4301 manchmal doch an?
Eine häufige Verwirrung: „Der 316er-Löffel zog nicht an, aber das 304er-Rohr leicht?" Die Ursache ist Kaltumformung. Austenitischer Edelstahl wandelt sich beim Biegen, Ziehen oder Walzen teilweise in Verformungsmartensit um — und Martensit ist magnetisch. Deshalb:
- Dasselbe 1.4301-Material: als geglühtes Blech nicht anziehend, als hartgezogenes Rohr/Draht leicht anziehend
- 1.4404/316 ist durch seine Nickel-/Molybdänbilanz widerstandsfähiger gegen diese Umwandlung — es bleibt meist „toter"
- Die Abhilfe ist Glühen: Nach dem Lösungsglühen verschwindet der Magnetismus wieder
Eine leichte Magnetisierbarkeit ist also kein Qualitätsmangel, sondern eine Spur der Fertigungsgeschichte.
Temperatureinfluss: der Curie-Punkt
Magnetismus ist auch keine dauerhafte Eigenschaft. Eisen verliert seinen Ferromagnetismus bei ~770 °C (Curie-Temperatur) — die Ordnung der atomaren Momente wird durch thermische Schwingungen zerstört. Glühender Stahl zieht keinen Magneten an; nach dem Abkühlen kehrt die Eigenschaft zurück. Dieses Verhalten, das Schmiede und Härter gut kennen, wird auch bei der Auslegung von Induktionserwärmung berücksichtigt.
Was der Magnettest sagt — und was nicht
Der Magnet in der Werkstatt ist eine praktische Vorprüfung, aber kennen Sie seine Grenzen:
- ✅ Er sagt: Zieht das Teil (im geglühten Zustand) nicht an, ist es sehr wahrscheinlich austenitischer Edelstahl oder ein Nichteisenmetall.
- ❌ Er sagt nicht: Ob ein anziehendes Teil Kohlenstoffstahl, legierter Stahl, ferritischer Edelstahl oder Gusseisen ist. Alle ziehen an — für die Unterscheidung braucht es Funken-/Spanprobe oder Analyse; Details in unserem Leitfaden Gusseisen vs. Stahlguss.
- ❌ Er sagt nicht: Die Güte. 304 von 316 oder S235 von C45 kann kein Magnet unterscheiden — für die sichere Identifikation ist eine Spektralanalyse (PMI) erforderlich.
Lieferung von Aktif Çelik
Die von Aktif Çelik bevorrateten Kohlenstoffstähle, Blankstähle (kaltgezogen) und Automatenstähle sind ferromagnetische Güten — voll kompatibel mit Magnetheben, Magnetabscheidung und induktiver Erwärmung in Ihren Prozessen. Für Gütenauswahl, 3.1-Zeugnis und Zuschnitt kontaktieren Sie unser technisches Team.
Detaillierte technische Informationen & Angebot
Kontaktieren Sie unser Expertenteam für detaillierte technische Dokumente, Anwendungsempfehlungen und individuelle Maßangebote zu diesem Thema.
Angebot anfordern